Rezension: Blutfesseln, Ars Amoris Band 4 ~ Linda Koeberl

Liebe Weltenbummler,

heute möchte ich euch eine alte Bekannte vorstellen.
Alt? Ganz genau, denn sie ist ein Vampir …

Vorsicht, wenn es dunkel wird!

Klappentext:

Jahrhunderte voller Emotionen und Sinnlichkeit.
Eine Reise über die Kontinente.
Liebende, wie sie unterschiedlicher nicht sein können.

Nichts vermag Alexandra Romanow vor der Einsamkeit zu bewahren, die sie in ihrem Herzen trägt, seit der Ruf des Blutes sie in die Finsternis lockte.
Bis sie eines Tages dem Engländer Dylan Montgomery begegnet, der die Schatten der Erinnerung vertreibt und eine Seite in ihr berührt, die sie im Verborgenen wähnte.

Vor der Kulisse der schottischen Highlands begibt er sich in den Bannkreis der schönen Russin, ohne zu ahnen, wie nah er dem Abgrund aus Blut und Schmerz gekommen ist.
Doch dann holt ihn Alexandras Vergangenheit ein, und er wird zur Schachfigur in einem Spiel, das keine Regeln kennt.

Erotikroman über das Leben und Lieben einer Vampirin.

Rezension: Idee, Umsetzung, Meinung

Die Österreicherin Linda Koeberl stellt nach diversen Kurzgeschichten in Anthologien wie DAS HERZ DER DUNKELHEIT, SCHATTENVERSUCHUNGEN und HÖLLISCHE WEIHNACHTEN mit BLUTFESSELN, dem vierten Band der düster-phantastischen Reihe ARS AMORIS unter Herausgabe von Alisha Bionda, ihren ersten Roman der Öffentlichkeit vor.
Die Geschichte über das Leben, Lieben und Leiden der Vampirin Alexandra Romanow spickt Dark Romance mit Erotikelementen.

Was bedeutet die Ewigkeit?
Zeit – für die Menschen vergänglich, für die Unsterblichen ohne Bedeutung.
Liebe – ein sterbliches Begehren, in der Unendlichkeit erfüllt mit Leid.

Dylan Montgomery, frischgebackener Manager, befindet sich auf der Suche nach einem geeigneten Objekt, um sein erstes eigenes Hotel zu eröffnen, als ihm das Schicksal einen kleinen West Highland Terrier sendet und ihn, inmitten der Abgeschiedenheit der Highlands, zu einer Vollbremsung zwingt. Dem Himmel sei Dank! Sonst wäre ihm wohl das imposante Gebäude aus Back- und Sandstein entgangen, das, umrundet von einer großzügigen Parkanlage, geradezu wie geschaffen für sein Vorhaben scheint. Als ihm trotz wiederholten Klopfens niemand öffnet, wagt er das Risiko und durchschreitet den Eingang zwischen zwei hoch aufragenden Erkertürmen und folgt dem lieblichen Klang des Klavierspiels.
Sascha Sorokin alias Alexandra Romanow erfüllt den Raum mit ihrer Aura. Dylan erliegt ihrer natürlichen Anmut, ist fasziniert und verunsichert zugleich. Während des vertrauten Gesprächs bei Tee auf der Terrasse verlagert er insgeheim seine Priorität. Er muss Sascha näher kennen lernen! Und plötzlich ist alles ganz einfach. Dylan schlägt ihr eine stille Teilhaberschaft bei dreißig Prozent und einem, eigens für sie zur Verfügung stehenden, Wohnbereich vor und Sascha willigt unumwunden ein.
In rasanter Geschwindigkeit war es Dylan Montgomery gelungen, Sascha Sorokins Resignation zu brechen. Diese Begegnung purer Magie veranlasst sie, ihr Tagebuch aus der Tiefe der Schublade zu bergen und sich längst vergangene Zeiten in Erinnerung zu rufen…

1647 beginnend, erfährt Alexandra Romanow wie nahe Freud und Leid beieinander liegen.
Der Verlust ihres ungeborenen Kindes, der Unfalltod ihrer Eltern, das Dahinscheiden ihres geliebten Mannes und die eigene Krankheit im Angesicht des Todes lassen sie eine folgenschwere Entscheidung treffen: Sergej Petrovsky, ein tageslichttauglicher Vampir, soll sie zu seinesgleichen machen. Da sie keine andere Wahl hat, gewährt er ihr, wenn auch widerstrebend, diesen letzten Wunsch. Die junge Frau begleitet Sergej nach Frankreich. Als seine Mätresse steht ihr jeder nur erdenkliche Luxus zur Verfügung, dennoch beherrschen Blut, Tod und Selbsthass viele Jahre ihr Dasein. Alexandra hat große Schwierigkeiten, sich als Vampir von den Menschen zu ernähren. An die grandiosen Errungenschaften moderner Medizin, wie beispielsweise Blutkonserven, war zu damaliger Zeit nicht einmal zu denken.
Die Verbindung der Daywalker war nicht von Dauer. Als Alexandra nach einem heftigen Streit durch die Gassen Paris´ irrt, gerät sie in ernste Gefahr. Christos Kaligaris, ein Nightstalker aus Griechenland, erweist sich als Retter in der Not. Ihre Schwächen sind seine Stärken und umgekehrt. Sie ergänzen sich auf wundersame Weise. Und obwohl sich die beiden Spezies in der Regel mit Misstrauen und Ablehnung begegnen, beschreiten Alexandra Romanow und Christos Kaligaris voller Hoffnung und Optimismus zusammen neue Wege. Sie genießen als Freunde die Leidenschaft der Jagd und die Wonnen der Lust. Niemals miteinander… bis Christos sie schließlich, von Eifersucht geplagt, mit dem Blutkuss an sich binden will. Doch ist Alexandra bereit, eine Verbindung für die Ewigkeit mit ihm einzugehen?
Amerika, Land der Freiheit – Calypso, ein Handelsschiff im Hafen von Calais, die Eintrittskarte. Lediglich Sophie Colbert soll um die wahre Identität des ‚jungen Matrosen‘ wissen.
Vampire empfinden Lust nicht geschlechtsgebunden. So vereint Alexandra und Sophie schließlich tiefe Leidenschaft, bis sich ihre Wege im Hafen von New Orleans trennen.
Das Treiben der Stadt, der Rhythmus der Menschen, der Ruf des Blutes führen Alexandra Romanow in den Club Noir, wo ihr die Besitzerin, Baccara, eine Anstellung als Sängerin anbietet. Einsamkeit wird durch Blutgier kompensiert. Als ihr Richard Anderson, ein charmanter Plantagenbesitzer, den Hof macht, keimt der Glaube an ein neues Glück auf. Geschenke und Einladungen bescheren ihr den Neid der anderen. Er behandelt sie respektvoll und ebenbürtig. Sie teilen nicht nur die Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen. Ist dies die Chance auf eine neue Liebe, auf etwas Normalität in ihrer Existenz?
Auch dieses Mal scheint ihr das Glück nicht hold. Die Schottischen Highlands sind nun ihr auserkorenes Ziel. Isolation zum Zwecke der Selbstfindung. Ruhe, um das Seelenheil genesen zu lassen. Die Vampirin hat sich für ein Leben ohne Liebe entschieden!
Dieser Plan steht auf wackeligen Beinen, als ihr in Daniel die Liebe auf den ersten Blick begegnet. Wahre Gefühle, pures Vertrauen, tiefes Verlangen.
Doch einmal mehr vereitelt Christos Kaligaris die glückliche Fügung. Schmerz und Verdammnis – wird es jemals enden?

Zurück in der Gegenwart nehmen die Umbaumaßnahmen am Gebäude Gestalt an. Dylan Montgomery ist sich seines Erfolges gewiss. Dennoch findet er einen geschäftlichen Grund – oder vielmehr eine Ausrede? – Sascha Sorokin in Dingwall aufzusuchen. Das anfängliche Knistern formt sich zur leidenschaftlichen Explosion.
Findet Alexandra Romanow in diesem Jahrhundert ihre wahre Liebe?
Oder holt sie ihre Vergangenheit ein?

In fünf Kapiteln mit vorangestelltem Prolog fasst Linda Koeberl die unsterbliche Existenz der Alexandra Romanow im Zeitraffer zusammen.
Ausgehend von der Gegenwart, die wechselnd aus der Sicht Dylan Montgomerys in dritter Person Singular und aus der Perspektive Sascha Sorokins, in vergangenen Zeiten jene Alexandra Romanow, in erster Person Singular dargestellt wird, lebt der Roman von den Rückblicken der Vampirin auf ihr rund dreihundertfünfzigjähriges Dasein, ebenfalls in erster Person Singular.
Im siebzehnten Jahrhundert nimmt das Schicksal seinen Lauf. Personen kommen und gehen. Liebe wird zu Leid. Zurück bleibt die Einsamkeit.
Alexandra Romanow hat die Kontinente gewechselt, ihre Erfahrungen gemacht und bleibt dennoch über alle Zeiten eine hoffnungslose Romantikerin. Jahrhunderte können nichts gegen ihre Zerrissenheit bewirken und so schwelgt sie in grenzenloser Melancholie.
Die Autorin erfasst nachhaltig die Atmosphäre der einzelnen Meilensteine und vermittelt nachvollziehbar Verzweiflung und Hilflosigkeit ihrer Hauptfigur.
Die verschiedenen Lebensabschnitte ergeben en gros ein gelungenes, homogenes Gesamtbild. Lediglich dem vierten Kapitel, der Erzählung um Daniel MacKenzie, hätte weniger Dramaturgie besser gestanden. Dies macht Linda Koeberl jedoch wett, indem sie dem Abschluss des Romans im fünften Kapitel eine Überraschung gönnt, die der von Alexandra Romanow empfundenen Ausweglosigkeit die nötige Glaubwürdigkeit verleiht. All ihre Bitterkeit und der über lange Zeit entstandene Schmerz erfahren noch einmal ihre Berechtigung.
BLUTFESSELN ist eine solide Mischung aus Vampirmythos und Liebesroman. Erotische Einschübe sind überlegt platziert und fügen sich angenehm ins Geschehen. Experimentierfreudigkeit der Autorin zeigt sich jedoch lediglich in der Erwähnung gleichgeschlechtlicher Intermezzi zwischen männlichen sowie weiblichen Akteuren.
Einen interessanten Ansatz bietet Linda Koeberl mit der Differenzierung ihrer Vampire in Daywalker und Nightstalker, die sich bereits in der Vorgehensweise ihrer Wandlung unterscheiden.
Der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit ist der Autorin sehr gut gelungen. Der flüssige Schreibstil ermöglicht einen gleichmäßigen Lesefluss. Sprachlich gibt es kaum etwas auszusetzen. Hier und da haben sich im Bereich vergangener Zeiten einige moderne Ausdrücke eingeschlichen, insgesamt klingt die Geschichte um Alexandra Romanow dennoch rund.

Optisch überzeugt der vierte Band der ARS AMORIS auf ganzer Linie.
Papier und Druck sowie Umschlagsgestaltung des Atelier Bonzai und effektvolle Cover- und Innengrafiken von Crossvalley Smith zeugen von hoher Qualität.

Fazit:

Mit BLUTFESSELN erwartet den Leser eine emotionale Darstellung einer Jahrhunderte andauernden Existenz.
Die Autorin bewegt sich zwischen Vampirmythos, Liebesroman und erotischen Passagen.
Klassisch und stimmungsvoll, zudem wunderbar illustriert!
(Inhalt + Cover © Sieben Verlag)

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Über FiktiveWelten

Bücherwurm – überrascht?!? Fotoknippser – schlimmer als jeder Tourist und ganz egal was ^^ Abenteurer – stets auf Entdeckungstour: "Mein Schaaaatz!!!" (Geocaching) Produkttester – weil’s Spaß macht, Wirbelwind – Chaos in Person FiktiveWelten – seit 2010 :o)
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