Rezension: Mords-Muttertag ~ Monica Mirelli, Ralf Kramp, Carsten Sebastian Henn

Liebe Weltenbummler,

mit den besten Wünschen an alle Mütter gibt es heute eine Rezension speziell zum Muttertag …

„Eifel – Land der Mütter“ heißt die neueste Initiative des Tourismusverbandes. Bei einem landesweiten Preisausschreiben gewinnen vierzig Mütter aus der kleinen Gemeinde Welterscheid einen Muttertags-Ausflug zum Heino-Café nach Bad Münstereifel. Doch der Bus, in dem die Damen an diesen Ort der Glückseligkeit gebracht werden sollen, kommt niemals an. Die Mütter verschwinden spurlos…
Schon machen Gerüchte die Runde. Haben etwa Außerirdische ihre Hände im Spiel?
Als eine der Mütter tot aufgefunden wird, ist Kommissarin Carola Coltella jedoch klar, dass man es mit einem ganz und gar irdischen Verbrecher zu tun hat. Die Frau wurde nämlich auf äußerst menschliche Art getötet: mit einem Nudelholz erschlagen. Und es dauert nicht lange, bis die nächste Mutter gefunden wird. Der Stromstoß eines Toasters hat sie das Leben gekostet. Als schließlich eine dritte Leiche auftaucht, die von Schaschlikspießen durchbohrt wurde, scheint klar, dass das Schicksal der restlichen Mütter besiegelt ist, wenn der Bus nicht bald gefunden wird. Auch die Mutter von Kaplan Florian Unkel ist unter den entführten Frauen – und er bittet in seiner Verzweiflung ausgerechnet Omma Brock um Hilfe. Die ist schließlich auch Mutter und bietet sich als Austauschgeisel an.
Der Mörder greift zu – und hat damit seinen ersten Fehler begangen …
(Inhalt + Cover © KBV)

Rezension: Idee, Umsetzung, Meinung

Kriminell komische Präsente für´s ganze Jahr… bieten die Titel MORDS-WEIHNACHT, MORDS-OSTERN und MORDS-MUTTERTAG, jeweils zusammen mit einer Tafel feinster Schokolade in einem Organzasäckchen erhältlich.
Kommissarin Coltella, Kaplan Unkel und Omma Brock ermitteln dem festlichen Anlass entsprechend. Gleich drei Autoren sorgen für Spaß und Spannung: Monica Mirelli alias Uwe Voehl, Ralf Kramp und Carsten Sebastian Henn.

Jährlich wiederkehrend ist der zweite Sonntag im Mai ein Feiertag zur Ehren der Mutter und der Mutterschaft, kurz Muttertag. So zeigt sich das malerische Kur-Städtchen an der Erft, Bad Münstereifel, von seiner besten Seite, als den Gewinnerinnen des Preisausschreibens des Eifeler Tourismusverbands ein spektakulärer Ausflug in Heinos Rathaus-Café bevorsteht. Gemeinsam mit eben jenem, unter Seniorinnen besonders beliebten, Sangeskünstler der Volksmusik soll den betagten Damen Haselnusstorte kredenzt werden.
Neben Omma Brock hat es Fortuna auch mit Nachbarin Marlies Birgel und Alwine Unkel, der Mutter des Kaplans der Gemeinde, gut gemeint.

“Eifel – Land der Mütter” – doch leider klappt nicht alles so reibungslos wie vorgesehen.

Aufgrund einer kleinen Schusseligkeit, Omma Brock bemerkte erst an der Bushaltestelle, dass sie noch ihre Filzpantoffeln an den Füßen trug, hatte ihr Sohn sie per Auto zum Ort des Geschehens gefahren. Das Portemonnaie hat die gewitzte Omma wohlweislich ihrer Nachbarin in die Hand gedrückt. Die Chance auf die Tombola wollte sie sich schließlich nicht entgehen lassen.
Nun wartet Omma Brock mehr oder weniger geduldig auf den Bus, der die restlichen Gewinnerinnen einsammeln und zum Café bringen sollte.

Die Stunden vergehen – von den Müttern keine Spur!

Als sie auf dem Weg zum stillen Örtchen mitbekommt, dass die Fuhre ernsthaft vermisst wird, sucht sie sofort einen Zusammenhang mit den in letzter Zeit vermehrt gemeldeten Kornkreisen. Doch eigentlich glaubt die rüstige Omma nicht an Außerirdische…

Auch Kaplan Florian Unkel macht sich Sorgen, nachdem er seine ebenfalls im Bus befindliche Mutter nicht per Telefon erreichen kann und schwingt sich in sein Auto.
Was er jedoch im Umkreis der Autobahnauffahrt Blankenheim entdeckt, hat er ganz sicher nicht erwartet: Der Busfahrer liegt sichtlich angeschlagen unter einem Gebüsch und behauptet kurz darauf fester Überzeugung, die Außerirdischen haben es auf ihn abgesehen, fährt er doch schon seit zwanzig Jahren ohne Fahrerlaubnis.
Haben tatsächlich Aliens den Bus entführt? Kein Wunder, dass des Kaplans Mutter die Anrufe nicht entgegennahm, der Empfang ist im All sicher nicht der Beste!

Unterdessen kriegen es Kommissarin Carola Coltella und ihr Assistent Clairvaux mit einem eingeschlagenen Schädel zu tun. Edith Wüstenfeld, eine der vermissten Mütter aus dem Ausflugsbus wurde in einem Weinberg im Ahrtal entdeckt.

Davon bekommt auch Omma Brocks Wind, verschafft sich gänzlich unerschrocken Zutritt zu Wüstenfelds Haus und trifft dort auf Gertrud Schnichels. Die wiederum wähnt Hulle, Ediths Sohn Helmut, als Täter, ist er doch Mitglied der “Eifel-Angels” und hat es auf Ediths Topflappenhandlung abgesehen.

Der gekidnappte Bus gibt Coltella Rätsel auf. Sie sieht sich, situationsbedingt als Bordsteinschwalbe getarnt, beim Busunternehmen etwas genauer um und erhält Einblick in das Geschäftsgebaren der vier Dödorfs Didi, Rolfi, Günni und Adi.

“Eifel-Angels” – Glaubensbrüder oder Teufelsaustreibung – Kaplan Unkel ist frohen Mutes. Und auch er taucht in die Gepflogenheiten der Topflappensammler ein.

Als neue Kornkreise gemeldet werden, nimmt Omma Brocks die Fährte ihres Portemonnaies wieder auf. Falls doch Außerirdische am Werk sein sollten, wird sie sich dort umsehen. Und sie wird in der Tat fündig! Nicht ihre Geldbörse, jedoch der verlassene Bus von Dödorfreisen steht plötzlich vor ihr.

Kurz darauf führt sie Kaplan Unkel ihren Fund aus dem Businneren vor: Eine handliche Videokamera inklusive Filmmaterial vom Entführer in Ritterrüstung. Ein abschließendes Zitat führt die beiden zu einer Lesung von Joachim von Henkenberg, der ihnen unumwunden weiterhelfen kann.

Silvio Coltella, der Vater der Kommissarin, als italienischer Hercule Poirot, Omma Brocks als selbsternannte Miss Marple der Eifel und Kaplan Unkel als trauriger Pater Brown-Verschnitt stürmen Carola Coltellas Büro. Auch Heino höchstpersönlich möchte eiligst mit ihr über einen anonymen Anrufer, der ein Schiller-Zitat zum Besten gab, reden.

Alles deutet auf eine Verschwörung hin!

Kaplan Unkel erforscht die Basis der “Eifel-Angels” und Omma Brocks knöpft sich die Dödorfs vor.
Doch schließlich ist es der richtungweisende Hinweis Heinos, der Coltella zur Lösung des Kriminalfalls verhilft…

In vierundzwanzig Kapiteln stellen die Autoren abwechselnd in durchweg dritter Person Singular ihr schriftstellerisches Können und ihre Fähigkeit zur Teamarbeit unter Beweis.
Ralf Kramp verkörpert die schrullig-verschrobene, durch und durch konservative Omma Brocks. Die kleine, kompakte Dauernutzerin des Personennahverkehrs mit Damenbart und struppigen, schwarzen Augenbrauen ist um keinen kecken Streich verlegen. Als kerniges Eifeler Weib hat sie Haare auf den Zähnen und eine scharfe Zunge. Omma Brocks stapft mutig durchs Leben, neigt jedoch zu vorschnellen Schlüssen und unüberlegten Handlungen.
Florian Unkel, Kaplan der kleinen Gemeinde St. Blasius in Welterscheid, erhält durch die Feder Carsten Sebastian Henns ein Gesicht. Ihm scheinen beispielsweise bestimmte menschliche Freuden gänzlich unbekannt und auch sonst wirkt er sehr weltfremd. Doch gerade diese vermeintlichen Makel machen ihn so sympathisch und garantieren einige Lacher.
Carola Coltella, geschaffen von Monica Mirelli, wirkt sehr besonnen und geht mit Verstand an die Lösung des Problems. Ihr auf den Fersen ist jedoch Vater Silvio Coltella, der dank seiner genialen Einfälle im Kollegenkreis liebevoll Dottore genannt wird. Er wiederum agiert temperamentvoll und impulsiv, sehr zum Leidwesen Carolas, jedoch, nicht zuletzt dank seines italienischen Akzents, zur Freude des Lesers.
Ohne Stilbruch erfreut sich die Geschichte eines stimmigen Leseflusses und bietet formvollendeten Humor.
Als Leser ist man den Hauptfiguren zwar einen Schritt voraus, dennoch ist die Lösung des Kriminalfalls nicht von vornherein durchschaubar. So bleibt die Spannung bis zum Schluss bestehen.
“Das Mütter-Massaker” wird durch schlichte Küchengeräte ermöglicht: Nudelholz, Toaster, Schaschlikspieß. Spezialeffekte sind zum Gelingen der Geschichte nicht von Nöten.
Ob wunderliche, alte Damen, das Horizontale Gewerbe in Verbindung mit der Kirche oder der eine oder andere Prominente, in MORDS-MUTTERTAG bekommen sie alle ihr sprichwörtliches Fett weg. Es gibt wahrlich mehr als einen Grund, sich die Lachtränen aus den Augenwinkeln zu wischen.

Fazit

Herrlich amüsanter Krimi-Klamauk zum Verschenken oder selbst genießen!
Monica Mirelli, Ralf Kramp und Carsten Sebastian Henn gönnen ihrer Leserschaft Rätselspaß und humorvolle Unterhaltung in gelungener Vollendung.

Advertisements

Über FiktiveWelten

Bücherwurm – überrascht?!? Fotoknippser – schlimmer als jeder Tourist und ganz egal was ^^ Abenteurer – stets auf Entdeckungstour: "Mein Schaaaatz!!!" (Geocaching) Produkttester – weil’s Spaß macht, Wirbelwind – Chaos in Person FiktiveWelten – seit 2010 :o)
Dieser Beitrag wurde unter BIBLIOTHEK-Rezensionen abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s