Rezension: Der Mann danach ~ Jo Kramer

Liebe Weltenbummler,

mal ganz ohne Vampire, Werwölfe oder sonstige Gestalten der Paranormalen Lektüre und dennoch rundum gelungene Unterhaltung, findet ihr im Romandebüt von Jo Kramer …

Jonas ist der Mann, der auf den Plan tritt, wenn der angebliche Mr. Right gegangen ist. Dann nämlich hat Jonas seinen Einsatz, um die Hinterlassenschaften des Ex zu beseitigen und die Wohnungen der Verlassenen zu renovieren – und manchmal auch ihre Herzen. Nur sein eigenes Herz scheint Jonas nicht sanieren zu können, denn er hütet ein tragisches Geheimnis um seine einstige große Liebe. Doch sein Leben ändert sich, als er der scheinbar so abweisenden Hella und ihrer vorwitzigen kleinen Tochter Maja begegnet.
(Inhalt + Cover © Knaur Taschenbuchverlag)

Rezension: Idee, Umsetzung, Meinung

Cornelius hat eine gute Nase fürs Geschäft und sein Kumpel Jonas, Künstlername Johnny, ist sein bester Mann im Kader. Doch bei allem Lob, braucht der Achtunddreißigjährige hin und wieder einen Tritt zum Glücklichsein.
Während Cornelius und dessen Frau Marita ein eingespieltes Team bilden, lebt Jonas seit der Trennung von Lydia allein. Grund genug für Rudelmensch Cornelius, sich Sorgen zu machen. Völlig unnötig, wenn man Jonas fragt!
Bei Bedarf holt er sich eine Portion Familienidylle im Hinterhof des Chinesen ab, genießt das eine oder andere Schäferstündchen mit einer Kundin, hat sich ansonsten jedoch sehr gut mit seinem Singledasein arrangiert.

Jonas ist der Mann danach, zuständig für die Beseitigung diverser Überbleibsel gescheiterter Beziehungen. Mit seinen Renovierungsarbeiten verschafft er den verlassenen Frauen neue Freiräume. Sein spezielles „Routine-Voodoo“, Aufmerksamkeit und Verständnis vermitteln ihnen neuen Lebensmut.
Nur er selbst befindet sich ständig auf der Flucht vor der Vergangenheit. Erinnerungen an Lydia, ihre grünen Augen und gemeinsame Erlebnisse suchen ihn immer wieder heim.
Ablenkung bieten der Job, die Hinterhofmenagerie und neuerdings auch die älteste Tochter seines Chefs. Laura ist vierzehn Jahre jung und knüpft gerade erste Kontakte zum anderen Geschlecht. Kevin, ihr aktueller Freund, ist allerdings schnell passé. Jonas darf Trost spenden und hat sogleich eine geniale Idee, das junge Mädchen bei ihrer nächsten Party als Königin der Nacht in Szene zu setzen und Kevin eine Lektion zu erteilen. Die Generalprobe an der hiesigen Tankstelle verdirbt ihm allerdings einen netten Flirt mit einer interessanten Amazone. Diese zeigt sich beim Anblick des alternden James-Dean-Verschnitts zusammen mit einer minderjährigen Sexbombe im knallroten Jaguar wenig begeistert. Ein Missverständnis mit Folgen …
Während der Abend für Laura als Erfolg auf ganzer Linie verbucht werden kann, übermannt Jonas Melancholie. Er hat den Glauben an die Liebe längst verloren, zu viele Baustellen zerbrochener Partnerschaften gesehen. So wie sein nächster Auftrag, bei dem er gleich drei gebrochenen Frauenherzen gegenüber steht.

In der Küche seiner Kundin macht ihn das Schicksal mit besagter Amazone namens Hella bekannt. Gegen ihre Vorurteile scheint kein Kraut gewachsen. Zu ihrer Tochter Maja findet er hingegen schnell einen Draht. Ehe er sichs versieht, hat sie sein Herz erobert und Hella rührt zudem eine Saite in ihm, die nach Lydia lange Zeit verstummt blieb.
Die Sinne des Künstlers sind wiedererweckt. Jonas errichtet sich ein neues Atelier.
Ein Konzert in der Krypta der St.-Michaelis-Kirche führt Hella und ihn schließlich zusammen. Zarte Klänge Mozarts und pure Leidenschaft Strawinskys zaubern einen unwiderruflichen Moment der Eintracht.
Eine gute Basis, um darauf aufzubauen. Und doch soll es anders kommen als erhofft.
Hella erteilt ihm wenige Tage später eine Abfuhr. Die Vergangenheit lebt auf.
Jonas ist und bleibt der Mann für den Übergang. Träume sind Schäume und das Leben ist eben doch kein Wunschkonzert. Oder gibt es noch Hoffnung für ihn? Die Dinge sind oftmals nicht so, wie sie zunächst scheinen …

Handwerk nach Plan und dennoch kommt alles anders als gedacht! Welche Überraschungen das Leben bereithält, erfasst Jonathan alias Jo Kramer in seinem gelungenen Debüt DER MANN DANACH.
Ein Roman in Rosatönen, noch dazu mit Herzchen als beherrschendes Cover-Element, aus der Feder eines Mannes? Das könnte amüsant werden, denkt sich der geneigte Leser. Und in der Tat funktioniert diese Kombination ausgesprochen gut!

Zusammen fünfundzwanzig Kapitel, in drei Teile gegliedert, geben in erster Person Singular Einblicke in Liebe und Leid des sympathischen Handwerkers Jonas Bachmann.
Die Geschichte scheint direkt aus dem Alltag gegriffen. Ein Sommer, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vereint. Der Leser findet sich problemlos in der Kulisse zurecht und freundet sich schnell mit den Charakteren an. Ein unkomplizierter, forscher Schreibstil unterstützt eine flotte Lektüre.
Mit viel Feingefühl widmet sich der Autor Problemen und Zweifeln, sowie Gedanken und Emotionen der Hauptfigur und lässt daran teilhaben. Leicht philosophische Tendenzen regen zum Nachdenken an.
Um nicht in Schwermut abzutauchen, peppt Jo Kramer die Handlung mit fröhlichen Zusammenkünften, frechen Dialogen und allerlei lustigen Momenten auf.
Der Grat zwischen Freude und Leid ist schmal. Doch getreu des altbekannten Mottos „Jeder ist seines Glückes Schmied“, bestimmt Jonas Bachmann aktiv die Ereignisse. Für den Rest sorgen seine Freunde. Kleine Zwischenfälle bremsen ihn immer wieder aus, geben der Erzählung eine neue Richtung und sorgen für hauchfeine Spannung.
Am Ende kommt, was kommen muss …

Der Autor beweist viel Einfühlungsvermögen und Geschick bei der Darstellung von Freundschaft, Familie und Zusammenhalt. Der Leser ist allzeit gut aufgehoben und beendet schließlich den Roman mit einem nachhaltigen Wohlgefühl.

DER MANN DANACH erscheint im Knaur Taschenbuch Verlag. Das Format liegt wunderbar leicht in der Hand. Die drei Teile des Romans werden jeweils mit einer kleinen Illustration, einem knappen Titel und einem Zitat aus einem bekannten Gedicht eingeläutet. Die Kapitel sind mit römischen Ziffern und einem Schlagwort gekennzeichnet. Papier, Satz und Druck sind tadellos.

Fazit

Jo Kramer bietet mit seinem Romandebüt eine unterhaltsame Mischung aus Humor, Melancholie, Schicksal und dem satten Leben.
DER MANN DANACH ist zweifelsohne ein rundum ansprechender Gegenwartsroman.
Frisch, frech und dank des eingängigen Schreibstils, sympathischer Charaktere und pfiffiger Ideen ein empfehlenswerter Lesespaß!

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Über FiktiveWelten

Bücherwurm – überrascht?!? Fotoknippser – schlimmer als jeder Tourist und ganz egal was ^^ Abenteurer – stets auf Entdeckungstour: "Mein Schaaaatz!!!" (Geocaching) Produkttester – weil’s Spaß macht, Wirbelwind – Chaos in Person FiktiveWelten – seit 2010 :o)
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