REZENSION: Im Totengarten ~ Kate Rhodes

Titel: Im Totengarten
Autor: Kate Rhodes
Seitenzahl:
448 Seiten
Erschienen: September 2012
Preis: 9.99 EUR
ISBN: 978-3548284620
Verlag: Ullstein

In den Straßen Londons treibt ein brutaler Killer sein Unwesen. Er tötet junge Frauen. Sein Markenzeichen: Er ritzt blutige Kreuze in die Haut seiner Beute. Sie könnte sein nächstes Opfer sein: Alice Quentin, Psychologin im Dienste der Polizei.
Die Jägerin wird zur Gejagten. Erst gerät ihr Bruder unter Verdacht, dann verschwindet ihre Freundin. Und bald beherrscht Alice nur noch ein Gedanke: Er wird mich nicht bekommen.
 (Inhalt + Cover © Ullstein)

Rezension:

Dr. Alice Quentin – ein neuer Stern im Ermittler-Reigen? Die Hauptprotagonistin aus KATE RHODES‘ Romandebüt gibt sich redlich Mühe. Doch gleich ihr erster Fall als Psychologin im polizeilichen Dienst stellt sie auf eine harte Probe!
Alice ist im Krankenhaus, in dem sie hauptberuflich Patienten betreut, hoch angesehen. Neben Routinejobs wie Antiaggressionstraining und die Behandlung von Anorexien, Phobien und Neurosen, hat sie auch hin und wieder als diensthabende Psychologin der Polizeibehörde mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Detective Chief Inspector Don Burns eskortiert die Psychologin ins größte Gefängnis Englands, Wandsworth Common, um Morris Cley in Augenschein zu nehmen. Ihm wird der Mord an einer Prostituierten zur Last gelegt, nun steht seine Entlassung kurz bevor. Alice hält ihn für ungefährlich – wenn sie sich da mal nicht täuscht …
Relativ ungefährlich wirkt auch Alices Bruder Will auf den ersten Blick – bis zu dem Zeitpunkt, wenn er von jetzt auf gleich austickt und auf seine Schwester losgeht oder Hals über Kopf davonrennt, um wer weiß was zu tun. Aus ihm hätte zweifelsohne ein erfolgreicher Geschäftsmann werden können. Tatsächlich vollzog er jedoch einen traurigen Abstieg vom Traumprinzen auf direktem Weg hinein in den erbarmungslosen Drogensumpf. Im Gegensatz zu Alice gelingt es Will nicht, die Geister der Vergangenheit halbwegs unter Kontrolle zu halten. Er greift zu aller Art Drogen, die er kriegen kann. Die Psychologin kompensiert ihre Sorgen und Nöte hingegen mit ausgiebigem Lauftraining. Der regelmäßige Endorphin-Kick versöhnt sie mit ihrer Klaustrophobie, ihren Bindungsängsten und all den dunklen Erinnerungen an die wenig erfreuliche Kindheit.
Als sie auf einer ihrer Touren in einer zwielichtigen Gegend auf die Leiche einer jungen Frau stößt, ist guter Rat teuer. Die Vorgehensweise des Täters ähnelt sehr der Handschrift von Ray und Marie Benson, die mit den Southwark-Morden zweifelhaften Ruhm erlangten. Allerdings fällt der Crossbone Yard ebenfalls in das Territorium von Morris Cley, der, just auf freien Fuß gesetzt, schon wieder untergetaucht ist. Die Polizei steht vor einem Rätsel und erhofft sich Unterstützung von Dr. Alice Quentin. Einzelne Anhaltspunkte verweisen auf unmittelbares Insiderwissen. Ray Benson ist bereits verstorben, seine Frau sitzt immer noch ein. Wer also könnte mit dem Paar in so enger Verbindung gestanden haben, nun mühelos Details ihrer Mordserie kopieren zu können?
DCI Burns ist auf Alices Hilfe angewiesen. Trotz ihres unguten Gefühls bei der Sache, willigt die Psychologin schließlich ein. Nicht ahnend, dass sie mit Detective Sergeant Ben Alvarez zusammen arbeiten muss, der bereits am Tatort keinen guten Eindruck bei ihr hinterließ. Einerseits stößt Alice seine offen zur Schau getragene Arroganz ab, andererseits fasziniert der Spanier sie jedoch auch mit seinem düsteren Charme. Weitere Leichen werden gefunden, Will gerät unter Verdacht und plötzlich befindet sich auch Alice in unmittelbarer Gefahr …

IM TOTENGARTEN ist KATE RHODES‘ Startschuss zu einer ganzen Reihe um die eigenwillige Dr. Alice Quentin. Der Prolog gleicht einer Momentaufnahme längst vergangener Tage und zeigt die Wahrnehmung häuslicher Gewalt aus Kinderaugen. Inzwischen ist Alice eine gestandene Frau von zweiunddreißig Jahren und hat ihren ganz eigenen Weg gefunden, mit der Last auf ihren Schultern umzugehen. Siebenunddreißig Kapitel, in erster Person Singular aus ihrer Sicht verfasst, spiegeln lichte wie auch schattige Erlebnisse rund um ihren ersten Einsatz für die Polizei von Southwark. Die Autorin erfindet das Rad nicht gänzlich neu, erschafft aber mit einer gelungenen Kombination aus der Jagd eines Serienmörders, psychologischer Komponenten und Herzensangelegenheiten einen soliden Roman mit leichtem Thrill. Nach dem erschreckenden, wie auch emotionalen Einstieg, zeichnen sich die wichtigsten Figuren der Geschichte durch detailreiche Beschreibungen ihres Aussehens und ihres Verhaltens aus. Ebenso bildreich werden auch Schauplätze der Handlung bedacht und London regelrecht zum Leben erweckt. Nicht nur die Atmosphäre, auch der flüssige Schreibstil entfachen einen Sog, der den Leser gebannt durch die Seiten führt. Der Spannungsbogen der Geschichte ist nicht sonderlich dynamisch, hält die Neugier dennoch konstant aufrecht. Ereignisse aus dem Privatleben der Charaktere wechseln mit aktuellem Geschehen rund um die Ermittlungen ab. Verdächtige Personen aus Gegenwart und Vergangenheit regen zu Spekulationen an. Die Morde tragen, damals wie heute, eine grausame Handschrift. Dennoch spart die Autorin an übermäßigem Blutfluss. Hin und wieder gelingt es ihr, mit falschen Fährten und überraschenden Wendungen zu verwirren. Zum Abschluss des Romans wird das Tempo noch einmal ordentlich angezogen. Dadurch prasselt die Auflösung des Falls allerdings etwas überhastet und geringfügig konstruiert auf die Leserschaft ein. Der Epilog versöhnt mit dem Geschehen und verweist in gewissem Sinne auf den Fortgang der Serie.

IM TOTENGARTEN erscheint als deutsche Erstausgabe bei Ullstein. Das Taschenbuch zieht durch seine ansprechende Gestaltung und die Färbung im frischen Türkis die Blicke auf sich. Das matt gehaltene Cover ziert eine Libelle in glänzendem, leicht erhabenem Spotlack. Das Besondere daran sind die ausgestanzten Flügel, die das ebenso farblich gestaltete Vorsatzpapier durchblitzen lassen. Auf der Rückseite werden erste Einblicke in den Inhalt gewährt. Der Roman liegt gut in der Hand und lässt sich dank augenfreundlichem Satz entspannt lesen.

Fazit:

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, dennoch bietet KATE RHODES mit ihrem Erstlingswerk IM TOTENGARTEN handwerklich solide Kost. Die Mischung aus Mordgeschehen, Psychologie und Lokalkolorit ist abwechslungsreich, latent spannend, und hin und wieder blitzt sogar ein klein wenig Humor durch. Der Roman lässt sich ausgesprochen flüssig lesen und sorgt für gute Unterhaltung.

Signatur_SU

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Über FiktiveWelten

Bücherwurm – überrascht?!? Fotoknippser – schlimmer als jeder Tourist und ganz egal was ^^ Abenteurer – stets auf Entdeckungstour: "Mein Schaaaatz!!!" (Geocaching) Produkttester – weil’s Spaß macht, Wirbelwind – Chaos in Person FiktiveWelten – seit 2010 :o)
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