REZENSION: Stolen Mortality ~ Jennifer Benkau

Titel: Stolen Mortality
Autor: Jennifer Benkau
Seitenzahl:
359 Seiten
Erschienen: Juni 2013
Preis: 14.90 EUR
ISBN: 978-3-864431-11-1
Verlag: Sieben Verlag

Jamian Bryonts steht mit dem Rücken zur Wand. Um seinen jüngeren Bruder zu schützen, nimmt er die Schuld für einen Fehler auf sich, den er nicht begangen hat, und unterwirft sich damit einem ewigen Fluch: Mittels eines Giftes raubt der Senat der Vampirjäger ihm die Sterblichkeit. Doch warum gerade diese diabolische Strafe für ihn gewählt wurde, stellt Jamian vor ein Rätsel. Und was hat es mit der Vampirfrau Laine auf sich, die zeitgleich in seinem schottischen Dorf auftaucht und über Gesetze nur lacht? Klar ist nur eins – sie ist die Letzte, der Jamian vertrauen darf. Denn Laine hat einen tödlichen Auftrag. (Inhalt + Cover © Sieben Verlag)

Rezension:

Eine Welt voller Dämonen und nur wenige wissen Bescheid! Auch die malerische Idylle Glen Merthas im Norden Schottlands kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Grat zwischen Gut und Böse ungeheuer schmal ist. Die Menschheit führt Kriege gegeneinander, Vampire saugen Blut und das Volk der Kienshi labt sich am Prana, der Lebensenergie von Mensch und Vampir. Auch Jamian und Junias Bryonts gehören zu jenen Wächtern der Nacht, den Unamjua-Oidhche, die die Finsteren im Zaum halten und ein beinahe friedliches Miteinander in den Highlands ermöglichen. Der Tod des Vaters beraubte sie ihrer Jugend und konfrontierte sie schon früh und unvorbereitet mit der Bürde und Verantwortung ihres Erbes. Die Kienshi, asiatischen Ursprungs einst im engen Zusammenhang mit Kampf- und Meditationskunst, Heil- und Körperkunde entstanden, sind temperamentvolle Persönlichkeiten, mutig und stark. In ihrer Individualität neutralisiert, ihre Lebensenergie zerstört und immun gegen Vampirmächte, sind sie den Blutsaugern nicht selten überlegene Gegner. Mit geschärften Sinnen, enormer Körperkraft und Geschwindigkeit, sorgen die Wächter und Jäger für Sicherheit und Ordnung.
Jamian hat einen guten Weg zwischen Gesetz und Freiheit gefunden. Vampire arrangieren sich mit seinen Regeln und die Menschen führen ein glückliches, wenn auch in der Regel ahnungsloses Dasein. Auch Junias wurde mittels eines speziellen Serums aus den Laboratorien des Senats der Kienshi vorzeitig zum Vertreter seines Volkes gewandelt. Zu früh? Junias verliert bei der Aufnahme von Prana die Kontrolle und tötet einen Menschen. Die Konsequenz gültiger Gesetze wäre sein unausweichlicher Tod. Doch Jamian steht vor dem Senat für seinen Bruder ein und nimmt alle Verantwortung auf sich. Wie schon zuvor Junias Wandlung betreffend, plädieren auch dieses Mal der Oberste Senator im Rat der Kienshi, Ian Drawn, sowie dessen Tochter Sinead verstärkt dafür, die gebührende Strafe alsbald umzusetzen. Jamian wird ein Unsterblicher. Weder Jamian noch Junias wissen um eine alte Prophezeiung des Propheten Jean de Saint-Rémy, die offensichtlich ihre Familie betrifft. Umso verbissener jagen der Oberste Senator und der Anführer der Partisan, eine Gruppe rebellischer Vampire, der Bedeutung dieser Legende hinterher. Als Vampirin Laine in Glen Mertha Einzug hält, ist die Gefahr für die beiden Brüder nahezu greifbar. Doch Laine verbindet mehr mit den Bryonts, als nur der Auftrag des gefährlichen Vampirs Jonathan. Das Schicksal entscheidet schließlich über Leben und Tod …

JENNIFER BENKAU startet ihre Geschichte um die Brüder Bryonts, Kienshi und Vampire in medias res. Die Autorin zäumt das Pferd von hinten auf, setzt Charaktere und Umstände in Intro und folgenden Kapiteln als gegeben voraus und findet erst später im Verlauf der Handlung Raum, die Hintergründe und Zusammenhänge zu klären. Zu Beginn des Geschehens wirkt die Fülle an Fakten ein klein wenig einschüchternd, facht allerdings auch Spannung und Neugier unglaublich an. Viele Fragen drängen sich dem Leser auf und suchen nach Antworten. Die Seiten verfliegen nicht zuletzt dank des flüssigen Schreibstils, der modernen Sprache und der Eigendynamik der Vorkommnisse im Nu. Erzählt werden die insgesamt achtundzwanzig Kapitel in dritter Person Singular aus wechselnden Perspektiven. Neben Seitenhieben auf politischen Amtsmissbrauch, Willkür, Gier nach Geld und Macht, sogar Folgen und Gefahren der Gentechnik und des Klimawandels, spielt vor allem die mystische Romantik eine große Rolle. Die Charaktere sind vielfältig, ihre Gedanken und Handlungen unterstehen Emotionen und glaubwürdigen Widersprüchen. Umso lebendiger und nachvollziehbarer sind ihre Eigenarten und Entscheidungen. Nicht nur einmal nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung. Die Überraschungen sind teils komisch, teils tragisch und mitunter erschreckend brachial. Genau mit dieser Spannbreite an Möglichkeiten, weiß JENNIFER BENKAU immer wieder gekonnt umzugehen. In ihren Büchern wird es nie langweilig. So muss sich STOLEN MORTALITY als Auftakt ihrer Schriftstellerkarriere auch nicht hinter anderen Titeln verstecken. Der Roman lässt viel Potenzial zur Spekulation und regt die Phantasie der Leserschaft an. Sogar noch über das abschließende Outro hinaus! So dürfen die Leser auf eine gegebenenfalls folgende Fortsetzung der Ereignisse gespannt sein.

STOLEN MORTALITY erscheint als großformatige Broschur im Sieben Verlag. Das geschmackvoll gestaltete Cover in eher düsterer Erscheinung, insbesondere der bedeutungsvolle Blick der jungen Frau des Motivs, passt bestens zum Inhalt des Romans. Ein klein wenig Sehnsucht, ein bisschen Erschrecken, ausreichend Raum für eigene Interpretationen. Die Kapitel sind mit knackigen Überschriften versehen, der Text gewinnt durch hübsche Szenentrenner Struktur. Die Rückseite des Buches verrät, worum es in der Geschichte geht, Nachwort und Information zur Autorin runden das Werk ab.

Fazit:

STOLEN MORTALITY – ein englischsprachiger Titel aus der Feder einer deutschen Autorin. JENNIFER BENKAUs Erstlingswerk weiß ebenso zu überzeugen, wie ihre beliebten Folgeromane. Interessant konstruiert, voller Emotionen, ohne Scheu vor Dramaturgie und Blut. Lediglich der scheinbar typische Humor ihrer späteren Arbeiten gestaltet sich noch weniger griffig und schwarz. Das tut der abwechslungsreichen, teils mit überraschenden Wendungen gespickten Unterhaltung jedoch keinen Abbruch. So bleibt diese Romantasy nicht allein nur den Fans der Autorin vorbehalten, sondern ist für jeden Leser dieses Genres ein Gewinn.

Signatur_SU

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Über FiktiveWelten

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4 Antworten zu REZENSION: Stolen Mortality ~ Jennifer Benkau

  1. Jessi schreibt:

    Hi Patricia 😀

    Dämonen? Vampire? Das klingt auch nach meinem Geschmack! Irgendwie sind mir Jennifer Benkaus Bücher immer mal wieder begegnet, vor allem die „Dark Canopy“-Bücher, aber ich habe mich nie so recht herangetraut! Aber das sollte ich echt mal ändern! 😀

    Liebe Grüße
    Jessi

  2. Bookpalast schreibt:

    Ist das eins von den Büchern, bei denen man sich irgendwann nur noch ein Namensverzeichnis wünscht? Das hört sich zumindest sehr kompliziert an…

    Von Jennifer Benkau kenne ich nur „Wenn wir fallen“ und das geht wirklich komplett in die andere Richtung: Kompliziert ist es zwar nicht, aber irgendwie ist man am Ende auch nicht schlauer, denn sie erklärt nicht, wie es z.B. dazu kommt, dass die Protagonistin von dem anderen Kerl träumt bevor sie ihn je gesehen hat und das Merkwürdigste: Diese Träume verändern sich, wenn er sich verändert. Wenn der echte Kerl sich also ein Tattoo stechen lässt, hat er das in ihren Träumen auch, aber die gute Frau gibt dazu keine Erklärung ab. Wirklich frustrierend.

    • FiktiveWelten schreibt:

      Mit Namen habe ich jetzt generell nicht so das Problem. Falls es mir in einem Buch zu viele oder zu seltsame Namen sind, bekommen sie gedanklich Kürzel oder völlig andere Bezeichnungen. Hier war eingangs eher das Gesamtkonstrukt ein harter Brocken. Ok, die Ähnlichkeit der Namen war teils auch verwirrend.

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