REZENSION: Ich bin böse ~ Ali Land

Titel: Ich bin böse
Autor: Ali Land
Seitenzahl:
351 Seiten
Erschienen: Februar 2017
Preis: 9.99 EUR
ISBN: 978-3-442-48456-0
Verlag: Goldmann

Die 15-jährige Milly wächst schwer traumatisiert in einer Pflegefamilie auf. Eine neue Identität soll alle Spuren zu ihrer Vergangenheit verwischen. Denn Milly ist die Tochter einer Serienmörderin. Und diese konnte nur gefasst werden, weil Milly der Polizei entscheidende Hinweise gegeben hatte. Jetzt wird ihrer Mutter der Prozess gemacht, und Milly wird plötzlich von Gewissensbissen heimgesucht. In ihrer Pflegefamilie findet das Mädchen keine Unterstützung, um diese schwere Zeit zu überstehen – im Gegenteil: Phoebe, die leibliche Tochter, hasst Milly von ganzem Herzen und versucht mit allen Mitteln, ihr das Leben so schwer wie möglich zu machen. Und damit weckt sie in Milly eine verborgene Seite. Eine böse Seite. Denn Milly ist die Tochter ihrer Mutter … (Inhalt + Cover © Goldmann)

Rezension:

Milly hat eine Vergangenheit. Wahrlich keine schöne Zeit! Jetzt blickt die Fünfzehnjährige nach vorn. Mit neuem Namen und neuer Familie hat sie eine Zukunft. Bis zur anstehenden Gerichtsverhandlung ist sie sicher. Hoffnung hilft zu überleben …
Die Pflegeeltern Mike und Saskia Newmont, Tochter Phoebe und Rosie, die Terrierhündin, heißen sie willkommen. Milly bringt nur wenige Habseligkeiten mit: Bücher, Kleidung, verborgene Dinge. Es passt alles in einen einzigen, kleinen Koffer. Nur die Erinnerungen – an ihre Mutter, was geschehen ist – passen hier nicht rein. Es fällt dem Teenager schwer, ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Sie trägt die Stimme ihrer Mutter im Kopf, meint zu wissen, was sie plant. Milly ist bemüht, alles richtig zu machen, Erwartungen zu erfüllen. Besser zu sein, als ihre Mutter. Die Newmonts sind allerdings auch keine Musterfamilie. Vater Mike ist ein Workaholic. Mutter Saskia betäubt ihren Kummer mit Alkohol und Drogen, Yogalehrer Benji tröstet über manch einsame Stunde hinweg. Erziehung und Haushalt sind ihr fremd. Die Tochter des Hauses geht bei jeder Gelegenheit in Abwehrhaltung. Sie scheint überheblich und selbstgefällig. Womöglich eine Reaktion auf die Pflegekinder zuvor, die all die Aufmerksamkeit bekamen, nach der sie sich sehnt. Milly wird zum auserkorenen Mobbingopfer von Phoebe und deren Freundinnen Izzy und Clondine. Doch man sollte sie nicht allzu sehr reizen. Sie ist Annie, Tochter von Ruth Thompson. Einer Frau, die sich an Kindern vergeht und ihre Leichen im Keller entsorgt. Annie weiß wie man Spiele spielt. Und sie weiß wie man gewinnt!

Zum Glück schmückt ALI LAND all die Grausamkeiten, die Ruth Thompson jahrelang vertuschen konnte, nicht bis ins Detail aus. Hinweise und Andeutungen im Verlauf der Handlung genügen, um Unwohlsein, gar Abscheu, während der Lektüre aufrechtzuerhalten. Mittelpunkt des Geschehens ist allerdings die minderjährige Milly, Geburtsname Annie. Vierzig Kapitel in erster Person Singular, ungewöhnlicherweise oft direkt an ihre Mutter gewandt, umschreiben ihr Leben zwischen dem vermeintlichen Verrat an ihrer Mutter an die hiesige Polizei bis zur Verhandlung vor Gericht und kurz darüber hinaus. Die Geschichte entwickelt einen unaufhaltsamen Sog. Der Schreibstil ist ruhig aber unglaublich intensiv. Die Stimmung bewegt sich größtenteils in düsteren Gefilden. Selten wird aus Erinnerung, Resignation und Schuldgefühlen tatsächlich Hoffnung und der Wunsch nach einem normalen Leben in einer normalen Familie. Das Buch trägt zu Recht den Zusatz Psychologischer Spannungsroman, der Leser ist stets angespannt, schreckt vor Facetten der Vergangenheit zurück und ahnt, dass die Vorkommnisse auch in der Zukunft nicht ohne Folgen bleiben. Die Autorin vermittelt glaubhaft die emotionale Zerrissenheit des Mädchens. Ebenso stellt sie ihre Intelligenz und manipulative Fähigkeiten außer Frage. Milly alias Annie ist zweifelsohne ein Opfer. Nichtsdestotrotz ist und bleibt sie die Tochter einer Mörderin. Geprägt durch Misshandlungen, Umfeld und Gene. Macht sie das schlussendlich ebenfalls zu einem bösen Menschen?

Das Cover des Taschenbuchs aus dem Goldmann Verlag passt ausgesprochen gut zur Erzählung. Das Motiv zeigt ein junges Mädchen im Profil. Verschwommen, leicht verwackelt, schwer zu erfassen – genauso wie die weibliche Hauptfigur. Ihr Blick angstvoll, dennoch starr fokussiert. Die Farben dunkel. Nichts lenkt ab. Die Inhaltsbeschreibung auf der Rückseite bringt es kurz und knapp auf den Punkt, verrät nicht zu viel. Perfekt!

Fazit:

ICH BIN BÖSE ist eine grauenvolle Geschichte über Kindesmisshandlung und seine Folgen. ALI LAND, bestens auf dem Gebiet der Psychologie bewandert, spielt Katz-und-Maus mit ihrer Leserschaft. Durchweg spannend, dabei erschreckend und fesselnd zugleich. Nichts für zarte Gemüter, aber für hartgesottene Thrillerfans unbedingt eine Empfehlung wert!


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Bücherwurm – überrascht?!? Fotoknippser – schlimmer als jeder Tourist und ganz egal was ^^ Abenteurer – stets auf Entdeckungstour: "Mein Schaaaatz!!!" (Geocaching) Produkttester – weil’s Spaß macht, Wirbelwind – Chaos in Person FiktiveWelten – seit 2010 :o)
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9 Antworten zu REZENSION: Ich bin böse ~ Ali Land

  1. Jessi schreibt:

    Hi Patricia 😀

    Ich freue mich echt, dass dir das Buch so gut gefallen hat, vor allem da ja die anderen in der Leserunde nicht den Sog spüren konnten, den wir wohl gespürt haben. Ich stimme dir zu, es ist ein toller psychologischer Roman, der gar keine große Ausschmückung der Taten benötigt, ganz im Gegenteil, mir haben die Andeutungen auch schon gereicht, um Millys Mutter zu hassen, aber gleichzeitig haben sie dennoch dafür gesorgt, dass mir Milly bis zum Schluss sympathisch blieb. So müssen gute psychologische Geschichten sein!

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    Jessi

    • FiktiveWelten schreibt:

      Manch Autor kann so viel mit so wenigen Worten transportieren. Für die Wirkung der Lektüre hat es gar keine Action oder Special Effects, in diesem Fall Details der Taten, gebraucht …

  2. Andrea Schmidt schreibt:

    Huhu Patricia,
    auch dir hat das Buch bombastisch gefallen. Ich mochte den psychologischen Aspekt auch sehr, aber ich hatte leider meine Probleme mit dem Wechsel zwischen direkter und indirekter Rede. Aber das ist Geschmackssache.

    Ich wollte es auch unterbringen, aber ich sprenge immer ungern die Zeilen meiner Rezensionen, umso schöner, dass du es mit reingebracht hat. Das Ali Land auf dem Gebiet Psychologie bestens bewandert ist, merkt man wirklich und auch ihre Doktorarbeit passt perfekt zu diesem Debüt.

    Nun freue ich mich auf die LR zu „Herr der Fliegen“ und werde mir nun noch das Buch „Die Wespenfabrik“ anschauen, denn auch dieses Buch hat sie inspiriert.

    Liebe Grüße und bis zum nächsten Mal
    Andrea

    • FiktiveWelten schreibt:

      Hallo Andrea, „Die Wespenfabrik“ kannte ich bis dato gar nicht. Klingt aber ebenfalls nach interessanter Lektüre. Bin gespannt, was du darüber berichtest! Schade, dass ich bei „Herr der Fliegen“ wohl nicht direkt mitdiskutieren kann. Aber auch hier freue ich mich schon auf eure Anmerkungen und Fazits. :o)

  3. kitsune_miyagi schreibt:

    Die Beschreibung liest sich toll, besonders deine Rezi. Aber ob ich schaffe das Buch zu lesen.. ich weiß es nicht. Das Stillen macht mich noch immer sehr weinerlich, was solche Themen anbelangt..

    • FiktiveWelten schreibt:

      Ouh nee, in deinem speziellen Fall rate ich davon ab. Lesen ja – aber nicht jetzt! Die Thematik, auf der das Buch basiert, ist doch schon sehr speziell, wenn auch eigentlich nur im Hintergrund und durch Andeutungen präsent. Aber nein, momentan wäre das vermutlich nichts für dich. Schnapp dir lieber ein fröhliches Buch! ♥

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