REZENSION: SCAR ~ Jack Ketchum / Lucky McKee

Titel: SCAR
Autoren: Jack Ketchum, Lucky McKee
Seitenzahl:
336 Seiten
Erschienen: April 2017
Preis: 14.99 EUR
ISBN: 978-3-453-67717-3
Verlag: Heyne

Mit elf Jahren ist Delia Cross bereits ein gefeierter Fernsehstar – aber nicht glücklich. Ihre Mutter ist von krankhaftem Ehrgeiz getrieben. Ihr Vater dem Alkohol verfallen. Ihr Bruder von Eifersucht zerfressen. Einzig der Familienhund Caity hält immer treu zu ihr. Dann droht ein tragischer Unfall, Delias Karriere für immer zunichtezumachen. Doch sogar ihre Narben werden gegen ihren Willen vermarktet. Bis sie beginnt, sich zu wehren … (Inhalt + Cover © Heyne)

Rezension:

In Familie Cross gibt Mutter Patricia, kurz Pat, den Ton an. Dies bekommt vor allem die inzwischen elfjährige Delia zu spüren. Schon von Geburt an wahnsinnig fotogen und mit einem strahlenden Lächeln gesegnet, sieht Pat in der Tochter ihren großen Traum von Ruhm und Reichtum erfüllt. Im Gegensatz zu ihrem Zwillingsbruder Robbie, geht Delia nicht auf eine normale Schule und hat kaum Kontakt zu Gleichaltrigen. Mit Gesangs- und Tanzunterricht ist sie für alle Eventualitäten auf der Karriereleiter gewappnet. Von früh bis spät wird sie von ihrer Mutter zu Anproben, Vorsprechen, schließlich Fotoshootings und Dreharbeiten geschleift. Während sich Pat im Erfolg ihrer Tochter bestätigt sieht, erfüllt sich Vater Bart vom eingenommenen Geld kostspielige Wünsche. Robbie verschwindet im Schatten seiner selbst, einerseits froh über gewisse Freiheiten, andererseits doch eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit, die seiner Schwester stets widerfährt. Plötzlich wird das Leben der Familie auf den Kopf gestellt! Ein schrecklicher Unfall kostet Delia fast das Leben, wäre nicht Caity zu Hilfe geeilt. Der Australian Cattle Dog und Delia sind ein Herz und eine Seele. Nun mehr denn je. Delia muss zahlreiche Operationen über sich ergehen lassen, ihr Gesicht bleibt jedoch für immer entstellt. Kein Grund für Pat, die Flinte ins Korn zuwerfen – jetzt erst recht …

JACK KETCHUM und LUCKY MCKEE sind ein eingespieltes Team. Was bei BEUTERAUSCH funktioniert hat, bestätigt sich einmal mehr mit SCAR. Lebendiges Kopfkino garantiert!

Die dramatische Geschichte von Delia und ihrem Hund erstreckt sich über achtzehn Kapitel, eingebettet in Pro- und Epilog. In drei Teilen erleben wir das familiäre Miteinander vom glorreichen Aufstieg, über die unerwartete Wende bis zum bitteren Untergang. Drei Akte subtilen Horrors und psychologischer Hochspannung.  Erzählt wird in dritter Person Singular aus wechselnden Perspektiven. Für den Leser ergibt sich ein allumfassendes Bild: Die Mutter, die eins ihrer Kinder auf Teufel komm raus vermarktet und das andere durch Gleichgültigkeit fast schon seiner Existenz beraubt. Der Vater, der sich der Missstände bewusst ist, seinen Kummer jedoch in Alkohol ertränkt und purem Luxus frönt. Der Sohn, der zwischen Missgunst und Geschwisterliebe schwankt. Die Tochter, die trotz alledem eine starke Persönlichkeit entwickelt und schließlich der Vierbeiner, der weit mehr ist, als nur bester Freund des Menschen. Die Charaktere wirken sehr authentisch, vereinzelt ist man ihnen unglaublich nah. Während der Lektüre kommt es zu ergreifenden Momenten, die tief bewegen, mitunter erschrecken oder sogar zu Tränen rühren. Grausam ist vor allem, dass die Ereignisse mit wenigen Abstrichen ebenso Realität sein könnten. Zum Abschluss kommt es zu einigen blutrünstigen Szenen, derer das Buch in der Form eigentlich nicht bedurft hätte. Nichtsdestotrotz ist der Titel für all jene ein Highlight, denen Empathie nicht allzu fremd ist.

SCAR erscheint als hochwertiges Paperback bei Heyne Hardcore. Das matt gehaltene Cover ziert eine Puppe. Und nichts Anderes ist die Elfjährige für ihre Mutter. Ein Riss durchs Gesicht steht stellvertretend für Delias Entstellung nach dem tragischen Unfall. Besonders wirkungsvoll ist darüber hinaus das Auge in glänzendem Spotlack. Es gibt der Puppe etwas Lebendiges. Insgesamt ein überaus passendes Motiv! Im Anhang listet ein Werkverzeichnis alle von JACK KETCHUM im Wilhelm Heyne Verlag erschienenen Titel.

Fazit:

SCAR ist kein Horror im herkömmlichen Sinne, sondern vielmehr psychologische Spannung vom Feinsten. JACK KETCHUM und LUCKY MCKEE verweisen auf Abgründe einer vermeintlichen Familienidylle und setzen dem eine tiefe Verbundenheit zwischen Mensch und Tier entgegen. Eine erschreckende Geschichte, die zu Herzen geht!

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Über FiktiveWelten

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8 Antworten zu REZENSION: SCAR ~ Jack Ketchum / Lucky McKee

  1. fraggle schreibt:

    Klingt eigentlich ganz gut, aber irgendwie habe ich bei Jack Ketchum Berührungsängste. Vor Jahren habe ich mal ein Buch von ihm gelesen, der Titel ist mir glücklicherweise entfallen, das mir schlicht zu hart war.

  2. Jessi schreibt:

    Hi Patricia 😀

    Ich habe schon bei Instagram gesehen, dass du es jetzt auch gelesen hast und es ist echt toll, dass es dir auch so gut gefallen hat. Hatte vorher ja auch einiges Negatives gehört, da es eben nicht der Horror ist, den man von Jack Ketchum wohl erwartet. Ich mochte die psychologische Spannung und diese ganze Ungerechtigkeit, die mich beim Lesen echt fast um den Verstand gebracht hat, sehr gerne. Manche Menschen sollten eben echt keine KInder haben …

    Liebe GRüße
    Jessi

    • FiktiveWelten schreibt:

      Für mich muss Horror nicht zwingend blutig sein. Gerade diese Familie hat mal wieder bestens gezeigt, dass auch vermeintlich normale Menschen unfassbaren Horror auslösen können. Die psychologische Spannung war hier ganz wunderbar – vergessen werde ich den Schrecken beim Lesen so schnell wohl nicht!

  3. Vi schreibt:

    Hi Pat,
    kann man den auch als Einzelband lesen oder sollte ich den anderen Titel Beuterausch hierfür auch gelesen haben? Denn ich kenne bislang nichts von diesen Autoren und das Wort Hardcore lässt mich noch bisserl zögern…

  4. Babsi schreibt:

    Ich mag ja keinen Horror, weil der mir grundsätzlich zu blutig und brutal ist – wenn es jedoch psychischer Horror ist, könnte ich mir das ja mal antun. 🙂 Die Rezension liest sich auf jeden Fall gut.

    LG Babsi

    • FiktiveWelten schreibt:

      Der Blutanteil hält sich hier doch in Grenzen. Hätte auch meiner Meinung nach gar nicht so ausarten müssen. Aber der Fokus liegt hier ganz klar auf anderen Zutaten der Geschichte. ;o)

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