REZENSION: Du stirbst nicht allein ~ Tammy Cohen

Titel: Du stirbst nicht allein
Autor: Tammy Cohen
Seitenzahl:
398 Seiten
Erschienen: April 2017
Preis: 9.99 EUR
ISBN: 978-3-7341-0437-4
Verlag: Blanvalet

Vier tote Mädchen. Vier trauernde Familien. Ein Killer auf freiem Fuß.

Vor vier Jahren erschütterte der Mord an der siebenjährigen Megan Purvis ganz London. Die Leiche des Mädchens wurde in einem abgelegenen Waldstück gefunden, auf ihrem nackten Schenkel stand das Wort »Sorry«. Zwei Jahre später verschwand Tilly Reid, auch ihre Leiche wurde gezeichnet und im Wald gefunden. Vierzehn Monate danach fand man erneut eine Mädchenleiche. Der Mörder der drei wurde nie gefasst. Und nun ist die kleine Poppy Glover verschwunden …
(Inhalt + Cover © Blanvalet)

Rezension:

Im Mai 2010 finden die so genannten Kenwood-Morde im Nordwesten Londons ihren Ursprung. Das erste Opfer ist die siebenjährige Megan Purvis. Zwei Jahre darauf trifft es Tilly Reid, vierzehn Monate später Leila Botsford. Vier Jahre, in denen der Täter nicht dingfest gemacht werden kann. Jetzt taucht ein neues Opfer auf: Poppy Glover wird entkleidet und mit der Visitenkarte des Killers in der Heath Extension aufgefunden. Nach einer Pressekonferenz im Gebäude von Scotland Yard bereiten Opferschutzbeamte sämtliche involvierte Familien auf die neue Situation vor. Ein Kind zu verlieren, ist für Eltern schon schlimm genug. Mit jedem neuen Opfer wird obendrein alles wieder aufgewühlt. Vor allem die Presse ist hierbei nicht zu unterschätzen. Auf Sally Freeland, die Königin der Exklusivinterviews vom Chronicle, ist Verlass! Sie ist sofort am Ort des Geschehens, steckt ihre Nase überall rein und stellt unbequeme Fragen. Detective Chief Inspector Desmond und sein Team hat alle Hände voll zu tun, der Öffentlichkeit, den Familien der Opfer und natürlich der Aufklärung des Falls gerecht zu werden. Da die Abstände der Morde augenscheinlich immer kürzer werden, weiß niemand, wann der Täter das nächste Mal zuschlagen wird. Die Zeit sitzt ihnen im Nacken …

Mit ihrem ersten Psychothriller WÄHREND DU STIRBST hat sich TAMMY COHEN in die Bestsellerlisten geschrieben. Dementsprechend hoch ist nun die Erwartungshaltung der Leserschaft um den Nachfolger DU STIRBST NICHT ALLEIN. Bereits die kurze Einleitung lässt Unheil erahnen. Dreiundfünfzig Kapitel spiegeln das Geschehen in größtenteils dritter Person Singular aus unterschiedlichen Perspektiven wider. Die Familien der Opfer, vor allem Mütter und Geschwister, die ermittelnde Beamtin Leanne Miller, die Journalistin Sally Freeland und selbst ein mutmaßlicher Täter kommen zu Wort. Ihre Überlegungen und Taten machen einen Großteil der Handlung aus. Werden junge Mädchen ermordet, liegt der Gedanke an Pädophilie ebenso wenig fern wie die Annahme, dass eventuell ein Elternteil an der Tat beteiligt ist. Möglichkeiten, die auch die Autorin nutzt, die Spekulation der Leser ein wenig anzuheizen. Was man ihr definitiv zugutehalten muss, ist die Tatsache, dass sie die Morde weder plakativ und sensationslüstern in den Mittelpunkt stellt noch bei Beschreibungen allzu sehr ins Detail geht. Auf der anderen Seite wirken die Ereignisse, konzentriert auf die psychologischen Komponenten von beispielsweise Angehörigen und vermeintlichen Tätern recht fad. Ein Thriller sollte Spannung erzeugen. Das gelingt TAMMY COHEN in diesem Buch nur leidlich. Die Erzählung ist keinesfalls uninteressant, verschiedene Handlungsstränge sind grundsätzlich gut initiiert, Emotionen wie Mitleid und Abscheu sowie Ungeduld hinsichtlich der Auflösung bleiben allerdings weitestgehend auf der Strecke. Die Opferschutzbeamtin Miller samt Einblicken in ihr Leben, Denken und Fühlen hat mir noch am ehesten zugesagt. Da hat leider auch die Überraschung zum Abschluss des Romans das Ruder nicht mehr rumreißen können.

DU STIRBST NICHT ALLEIN erscheint als handliche Klappenbroschur bei Blanvalet. Habe ich mich eingangs noch über den Titel gewundert, macht er nach der Lektüre zweifelsohne Sinn und ist prima gewählt. Besonders ansprechend ist in meinen Augen die Schreibschrift als erhabener, glänzender Spotlack. Es gibt dem Motiv einen persönlichen Zug. Das Herz gefällt mir in diesem Zusammenhang, auch bezogen auf den Inhalt, ebenfalls gut.

Fazit:

DU STIRBST NICHT ALLEIN ist ein unterhaltsamer Roman, der leider an der Bezeichnung Psychothriller vorbeischrammt. Mit wenig Spannung und relativ großer Distanz zu den Ereignissen, ist mir die Geschichte um vier tote Mädchen insgesamt zu eintönig geblieben. TAMMY COHEN hat viele gute Ansätze gezeigt, schlussendlich aber auch viel Potenzial verschenkt. Meine Erwartungen hat das Buch nur rudimentär erfüllt. Schade!


Signatur_SU

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Über FiktiveWelten

Bücherwurm – überrascht?!? Fotoknippser – schlimmer als jeder Tourist und ganz egal was ^^ Abenteurer – stets auf Entdeckungstour: "Mein Schaaaatz!!!" (Geocaching) Produkttester – weil’s Spaß macht, Wirbelwind – Chaos in Person FiktiveWelten – seit 2010 :o)
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8 Antworten zu REZENSION: Du stirbst nicht allein ~ Tammy Cohen

  1. kitsune_miyagi schreibt:

    Schade, dass es dann doch nicht wie erhofft gewesen ist. Bin auch immer wieder auf der Suche nach guten Psychothrillern, da oftmals, wie auch hier, der Psychoanteil fehlt oder zu wenig vorhanden ist.

    • FiktiveWelten schreibt:

      Manchmal frage ich mich, ob es an mir liegt. Schon zu viel aus dem Genre gelesen = abgestumpft? Oder zu hohe Erwartungen an Spannung und Charaktertiefe? Ich weiß es nicht!

      • kitsune_miyagi schreibt:

        Ich würde sagen, eine gute Mischung aus allem. Weiß nicht, wie das bei dir ist aber wenn ich so zurückdenke, zu meinen Thrilleranfängen. Da fand ich fast jeden gut. Aber umso mehr man davon liest umso mehr sieht man, wie groß die Qualitätsunterschiede einfach sein können.

      • FiktiveWelten schreibt:

        Erstens das und zweitens ist man nicht mehr so leicht an der Nase herumzuführen oder überhaupt zu beeindrucken …

      • kitsune_miyagi schreibt:

        Was teilweise aber auch super schade ist, oder? Manchmal bringt mich das in Leseflauten rein.

      • FiktiveWelten schreibt:

        Ich hopse dann einfach mal ins nächste Genre, um wenigstens ein bisschen Abwechslung zu haben. Vergessen tut man gewisse Dinge, gerade Thriller oder Horror, natürlich nicht. Aber nach einer Weile kommt dann du Lust auf Spannung und Co. zurück und man ist wieder milder eingestellt, was Inhalt und Aufbau anbelangt. Mir geht es jedenfalls oft so. ;o)

  2. Jessi schreibt:

    Hi Patricia,
    schade, „Psychothriller“ sind ja auch immer so ne Sache. Ich hatte das Buch auch schon auf meiner Liste, aber es scheint echt mal wieder so eine Durchschnittskost zu sein! Ich glaube aber echt, als Vielleser in dem Genre muss man nach wahren Schätzen echt lange suchen!

    Liebe Grüße
    Jessi

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