REZENSION: Good as Gone ~ Amy Gentry

Titel: Good as Gone
Ein Mädchen verschwindet. Eine Fremde kehrt zurück.
Autor: Amy Gentry
Seitenzahl:
319 Seiten
Erschienen: Februar 2017
Preis: 12.99 EUR
ISBN: 978-3-570-10323-4
Verlag: C. Bertelsmann

Tom und Anna haben das Schlimmste erlebt, was sich Eltern vorstellen können: Ihre 13-jährige Tochter Julie wurde entführt, alle Suchaktionen waren vergebens, die Polizei hat den Fall längst zu den Akten gelegt. Acht Jahre später taucht plötzlich eine junge Frau auf und behauptet, die vermisste Tochter zu sein. Die Familie kann ihr Glück kaum fassen. Doch schon bald spüren alle, dass die Geschichte der Verschwundenen nicht aufgeht. Anna hegt einen furchtbaren Verdacht. Sie macht sich auf die Suche nach der Wahrheit über die junge Frau, von der sie inständig hofft, dass es ihre Tochter ist, die ihr gleichzeitig aber auch fremd erscheint und das gesamte Familiengefüge gefährlich ins Wanken bringt … (Inhalt + Cover © C. Bertelsmann)

Rezension:

Vor nunmehr acht Jahren wird die damals dreizehnjährige Julie aus ihrem Kinderzimmer entführt. Die zehnjährige Jane sieht den Fremden und das Messer, mit dem er ihre Schwester bedroht. Sie versteckt sich im Wandschrank und gibt erst geschätzte drei Stunden später durch panische Schreie Alarm. Zu spät für die Eltern Anna Davalos und Tom Whitaker, um einzugreifen. Die polizeiliche Ermittlung kann nichts beschicken. Julie bleibt vermisst und das Leben geht weiter. Jane studiert inzwischen an der University of Washington in Seattle und kommt nur selten heim. Bei einem ersten gemeinsamen Familienessen seit Ewigkeiten, steht auch sie wieder vor der Tür: Julie, einundzwanzig Jahre, zur Frau gereift! Die Freude über ihre Rückkehr ist riesig, währt allerdings nicht lang …

Der Klappentext von GOOD AS GONE erinnert zunächst einmal an FALSCHE SCHWESTERN von CAT CLARKE, welches mir ausnehmend gut gefallen hat. Umso gespannter war ich nun auf die Umsetzung des Themas durch AMY GENTRY. Entsprechend des Untertitels, EIN MÄDCHEN VERSCHWINDET. EINE FREMDE KEHRT ZURÜCK., taucht auch in ihrer Erzählung ein zuvor entführtes Mädchen nach Jahren wieder auf und auch hier begleiten Unstimmigkeiten das weitere Geschehen.

Die Autorin startet ihr Romandebüt recht stark. Der Prolog spiegelt die Nacht des Verbrechens wider und sorgt für Spannung. Die folgenden sechzehn Kapitel aus der Perspektive der Mutter in erster Person Singular wechseln sich mit Einschüben, mit unterschiedlichen Namen versehen, in dritter Person Singular ab. Der Blickwinkel von Anna Davalos ist von Erinnerungen geprägt. Gedanken an das Leben ohne Julie, an Alkohol, Verdrängung und Einsamkeit belegen, wie diese Zeit aus ihrer Sicht war. Gleichzeitig schreitet die Geschichte in der Gegenwart voran und schwenkt von Freude über Zweifel zu Fakten, die sich nicht leugnen lassen. Parallel hierzu läuft die Zeit in besagten Einschüben rückwärts. Erlebnisse und Erfahrungen der jungen Frau zeichnen einen rauen Lebensweg, bestimmt von dem täglichen Kampf ums Überleben. Zwei Handlungsstränge, die den Leser auf weiten Strecken ebenfalls zweifeln lassen, schlussendlich aber ein gemeinsames Bild ergeben und zur Auflösung der alles bestimmenden Frage führen: Ist es wirklich Julie?

Der Lösungsweg mit den verschiedenen Perspektiven hat mir sehr gut gefallen. Die Spannung ist über die Seiten vielmehr einer Familientragödie gewichen, was mich allerdings nicht gestört hat. Lediglich die Emotionalität hätte etwas lebendiger und damit authentischer erfasst werden können. Die Charaktere wirken doch etwas zu distanziert, unaufgeregt, teils nahezu unbeteiligt. Die Entwicklung rund um den Bösewicht ist etwas kurz gekommen und hat zudem recht skurril geendet. Damit bin ich nicht ganz so glücklich. Dennoch hat mich Julie als fragwürdige Figur schlussendlich mit ihrer wahren Identität überrascht.

GOOD AS GONE – EIN MÄDCHEN VERSCHWINDET. EINE FREMDE KEHRT ZURÜCK. erscheint als hochwertiges Paperback bei C. Bertelsmann. Das Covermotiv ist recht minimalistisch, setzt dafür umso wirkungsvoller auf Kontraste. Die Silhouette eines Mädchens im Schein des Lichts passt sogar zur Geschichte. Papier, Satz und Druck sind einwandfrei.

Fazit:

AMY GENTRY erzählt eine vertrackte Familientragödie, die zeitweise spannend ist und auf jeden Fall unterhält. An Emotionen und Auflösung ließe sich arbeiten, nichtsdestotrotz ist GOOD AS GONE als Romandebüt durchaus gelungen. Bleibt die Frage: Kennen wir die, die wir lieben?

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10 Antworten zu REZENSION: Good as Gone ~ Amy Gentry

  1. Danke fürs Verlinken 😊

  2. kitsune_miyagi schreibt:

    Klingt sehr spannend, vielen Dank für deine schöne Rezension dazu.

    • FiktiveWelten schreibt:

      Eigentlich würde ich dir eher zu Falsche Schwestern raten. Allerdings als Mama zweier Mädels, vielleicht doch etwas zu traurig für dich …

      • kitsune_miyagi schreibt:

        Oh ne, wenn du es schon so andeutest 😀 Kann sowas momentan überhaupt nicht lesen.

      • FiktiveWelten schreibt:

        Verstehe ich! Aber dann sind die (zwar relativ seicht umschriebenen, dennoch gut vorstellbaren) Zwischensequenzen bei Good as Gone auch nicht unbedingt geeignet. Es gibt so Dinge, die sollte man mit Kindern nicht tun, um jetzt nicht zu viel zu verraten …

  3. Das klingt wirklich spannend. Ich lese ja sehr gern Thriller und der Klappentext hat mich sehr neugierig gemacht. Jetzt bin ich mir allerdings nicht mehr so sicher, ob es wirklich was für mich ist, weil du schreibst, es ist eher Familiendrama als Thriller.
    Aber spannend klingt es ja eigentlich schon.
    Na mal sehen. 😉
    Liebe Grüße, Julia

    • FiktiveWelten schreibt:

      Es ist halt nur ein Roman und als solches deklariert. Dem würde ich so auch zustimmen. Allerdings bin ich eingefleischter Thriller-Leser, weshalb mich kaum noch was schocken kann. Vielleicht habe ich da etwas überspitzte Maßstäbe und Erwartungen. ;o)

      • Ich bin ja auch passionierte Thriller- Leserin, von daher geht es mir da wahrscheinlich ähnlich wie dir. Aber am Besten ist es ja eh immer, sich selbst eine Meinung zu bilden. Also bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als das Buch mal zu lesen. 😉
        LG

      • FiktiveWelten schreibt:

        Das mit der Meinung stimmt allerdings, schließlich sind die Geschmäcker nicht alle gleich. ;o)

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