REZENSION: Museum der Erinnerung ~ Anna Stothard

Titel: Museum der Erinnerung
Autor: Anna Stothard
Seitenzahl:
302 Seiten
Erschienen: April 2017
Preis: 16.00 EUR
ISBN: 978-3-257-30048-2
Verlag: Diogenes

Cathy ist neun, als sie Jack kennenlernt. Sie verbringen einen unbeschwerten Sommer an der englischen Küste miteinander. Cathy ist einundzwanzig, als sie aus ihrem Zuhause und vor einem Mann flieht, der Rache mit Liebe verwechselt. Cathy ist fast dreißig, als dieser Mann sie findet und ihre sorgsam aufbewahrten Erinnerungen für immer zu zerstören droht. (Inhalt + Cover © Diogenes)

Rezension:

Seit nunmehr vier Jahren lebt Cathy zusammen mit ihrem Verlobten, Tom, in einer Zweizimmerwohnung in Neukölln. Beide arbeiten im Berliner Museum für Naturkunde. Sie genießen das Leben, einander und alles scheint gut. Bis zu jenem Morgen, als Cathy ein Paket mit einer kleinen Besonderheit erhält: Ein Kissing Beetle, eine in Bernstein eingeschlossene Raubwanze. Obwohl weder Absender noch Anschreiben zu finden sind, ahnt die junge Frau, wem sie die Sendung zu verdanken hat. Ihre Vergangenheit hat die Gegenwart eingeholt und wirft Schatten auf die Zukunft! Tom ahnt von alledem nichts. Auch nicht von Cathys Museum der Erinnerung, bestehend aus über zweihundert Gegenständen, die sie in guten wie in schlechten Zeiten gesammelt und insgeheim aufbewahrt hat. Ihre Narben und Makel kann sie hingegen nicht vor seinen Augen verbergen, allerdings allerlei Ausreden für sie erfinden. Die wahre Geschichte ihres Lebens steht unter Verschluss. Nach Daniel hat sich Cathy neu erfunden. Sie hatte ihn verraten und dachte, sie sei frei. Doch sechs Jahre nachdem sie ihn in einer Nacht- und Nebelaktion verlassen hat, ist er wieder da. Nur einen Steinwurf entfernt …

Der Einstieg ins MUSEUM DER ERINNERUNG fällt dank ANNA STOTHARDs Schreibstil ausgesprochen leicht. Sie erzählt ruhig und besonnen, dafür umso tiefsinniger von Liebe, Sehnsüchten und Schuldgefühlen. Nach einem kurzen Ausblick auf die Zukunft, begleiten wir Cathy in der Gegenwart, erleben sie durch Rückblicke und Erinnerungen aber auch immer wieder in Kindheit und Jugend. Kann man sich als Außenstehender zuerst kein rechtes Bild machen, ihr verschlossenes Wesen kaum verstehen, bröckelt mit fortlaufender Handlung mehr und mehr ihrer mühsam errichteten Fassade. In ihrer Vergangenheit gibt es schöne, aber eben auch viele schmerzvolle Momente. Beispielsweise hat sich ihre Mutter schon früh von der Familie abgewandt, der Vater war alkoholkrank und die Freundschaft zu Jack nahm ein abruptes Ende. Jener Jack hat sie mit Daniel verbunden. Und auch er hat Jacks Verlust nicht überwunden. Das karge Leben in Lee-Over-Sands nahm dennoch seinen Lauf. Seite an Seite, bis Cathy die Reißleine zog. Der Schaden, den Daniel angerichtet hatte, war schließlich nicht mehr tragbar. Zu schwer wog auch die seelische Last. Wider Erwarten steht allerdings nicht die häusliche Gewalt im Mittelpunkt des Geschehens, auch wenn sie schlussendlich zur Trennung führte. So werden auch diese Momente aus Cathys Leben recht unaufgeregt widergegeben. Und Daniel zeigt retrospektiv Verletzlichkeit, wo man sie nicht vermutet hat. Tom steht währenddessen mehr oder weniger abseits des Geschehens, ist aber eine sehr wichtige Person in Cathys Leben. Er hat einen gänzlich anderen familiären Hintergrund, war stets umsorgt und geliebt worden. Ein Glückskind, wie er, hat ungeheuer viel Selbstvertrauen. Natürlich möchte er wissen, was Cathy vor ihm verbirgt, selbstverständlich möchte er sie besser kennenlernen. Dennoch wahrt er Zurückhaltung und liebt Cathy bedingungslos, ganz genau so, wie sie nun einmal ist. Tom ist ihr Fels in der Brandung, ihr Anker im Leben. Ein Mann, wie man ihn Cathy nach all ihren Erlebnissen nur wünschen kann …

MUSEUM DER ERINNERUNG erscheint als Paperback bei Diogenes. Das verlagstypische, minimalistische Covermotiv passt hervorragend zu den leisen Tönen des Romans. Rückseite und Innenklappen halten Informationen zu Inhalt und Autorin bereit.

Fazit:

MUSEUM DER ERINNERUNG ist ein leises Buch über Flucht mit schwerem Gepäck. ANNA STOTHARD erzählt eine melancholische Geschichte um Verdrängung sowie tiefe Emotionen und verleiht ihr dennoch zum Abschluss einen Funken Hoffnung im Zauber des Augenblicks. Bewegend, traurig und dennoch alles in allem einfach schön!

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3 Antworten zu REZENSION: Museum der Erinnerung ~ Anna Stothard

  1. kitsune_miyagi schreibt:

    Ich habe das Buch am Wochenende erhalten und freue mich nun noch mehr darauf.

    LG

  2. Pingback: BLOGAKTION: Montagsfrage – Halbjahres-Highlights | FiktiveWelten

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