REZENSION: Sag kein Wort ~ Raphael Montes

Titel: Sag kein Wort
Autor: Raphael Montes
Seitenzahl:
317 Seiten
Erschienen: Juni 2017
Preis: 19.99 EUR
ISBN: 978-3-8090-2678-5
Verlag: Limes

Téo Avelar ist Einzelgänger. Er hat nur wenige Freunde, und am wohlsten fühlt er sich im Seziersaal. Echte menschliche Gefühle bringt er nur für sein dortiges Studienobjekt auf – bis er Clarice begegnet. Téo ist davon überzeugt: Sie ist die Frau seines Lebens. Er beginnt, sie zu verfolgen, macht ihr Geschenke, ist geradezu besessen von ihr. Als Clarice ihn abblitzen lässt, greift Téo zu extremen Mitteln, um ihre Zuneigung zu gewinnen: Er entführt sie, hält sie gefangen. Nichts und niemand soll seinem glücklichen Leben mit Clarice in die Quere kommen … (Inhalt + Cover © Limes)

Rezension:

Ist es Zufall oder ist es Schicksal, als sich Medizinstudent Téo Avelar und Clarice Manhães zum ersten Mal begegnen? Sie befinden sich auf einer Party, etwas abseits des Geschehens, als sie ihn unversehens anspricht. Sie unterhalten sich ein Weilchen nett miteinander und Clarice verabschiedet sich mit einem Kuss. Ihre spontane, ungezwungene Art gefällt Téo. Clarice ist anders, als andere Frauen. Sie geht ihm nicht aus dem Kopf. Mit List und Tücke gelangt er an Informationen. Ihren Namen, ihre Universität und schließlich ihre Adresse. Téo beobachtet sie, folgt ihr … Doch Clarice ist gewitzt. Als sie ihn bei nächster Gelegenheit damit konfrontiert, schlägt er sie kurzerhand mit einem schweren Buch zu Boden. Clarice lebt – fortan jedoch weder in Freiheit noch selbstbestimmt. Téo ist sich absolut sicher: Clarice ist seine Essenz des Lebens und er wird sie nie wieder gehen lassen!

Es war das Cover, was mich reizte, SAG KEIN WORT genauer in Augenschein zu nehmen. Der eindringliche Blick, der interessante Bildausschnitt und schlussendlich auch die Inhaltsbeschreibung des Verlags haben mich überzeugt. RAPHAEL MONTES, mir bis dato unbekannt, wird als Star moderner, brasilianischer Spannungsliteratur gefeiert. Meine Erwartungen waren entsprechend hoch. Was der Autor mir dann allerdings geboten hat, ist ohne Frage filmreif. Ich war gelinde gesagt geschockt!

Die Geschichte von Téo und Clarice erstreckt sich über zweiunddreißig Kapitel in dritter Person Singular aus seiner Perspektive. Das Geschehen nimmt sehr ruhig, ja, unaufgeregt seinen Lauf. Ab der ersten Seite des Thrillers steht außer Frage, dass der junge Mann sehr speziell ist. Am wohlsten fühlt er sich im Anatomiesaal inmitten der Toten. Mit menschlichen Emotionen hat er es nicht so, weiß allerdings ganz genau, was die Gesellschaft an Gefühlsregungen von ihm erwartet, um nicht unnötig aufzufallen. Téo ist intelligent, keine Frage. Er versteht es, gezielt zu manipulieren. Seine Gedanken und Handlungen lassen ihn schnell als Psychopathen erscheinen. RAPHAEL MONTES trifft genau den richtigen Ton, dem Leser seinen ungewöhnlichen Charakter näherzubringen. Auch Clarice ist der Student nicht ganz geheuer. Sie ist ein offener, direkter Mensch, versucht ihm dennoch eingangs auf respektvolle Art und Weise zu vermitteln, dass sie kein Interesse an mehr, als nur Freundschaft, hegt. Da er nicht verstehen will, muss sie Tacheles reden. Es kommt zum Eklat!

Genau diese Unberechenbarkeit Téos macht den Reiz des Buches aus. Einerseits wirkt der Student sehr verantwortungsbewusst, tja zeitweise vermeintlich gefühlvoll – dann allerdings kommt von jetzt auf gleich ein Szenario, das einem glatt den Atem verschlägt. Vor allem scheint sich Téo der Tragweite seiner Taten gar nicht bewusst. Oder es ist ihm schlicht und ergreifend egal, solange sie ihm die Kontrolle garantieren. Aber auch Clarice ist ein faszinierender Charakter. Sie spielt all ihre Möglichkeiten aus, zieht jedes Register, trumpft hier und da sogar auf. Ohne Zweifel, handelt es sich bei ihr um eine starke Persönlichkeit. Die Interaktionen der beiden Figuren sind von einer ungemein dichten Atmosphäre umgeben, die sich während der Lektüre überträgt. So fliegen die Seiten für den Leser voller Anspannung, Beklemmung und Fragezeichen dahin. Meint man Entwicklungen vorauszusehen, zieht der Autor auch schon eine Wendung aus dem Hut. Vor allem das Ende dieses kniffligen Katz- und Maus-Spiels ist eine wahre Gratwanderung. Für mich persönlich der blanke Horror!

SAG KEIN WORT erscheint als gebundenes Buch mit Schutzumschlag im Limes Verlag. Mir selbst liegt allerdings ein Leseexemplar vor, weshalb ich zur Aufmachung an dieser Stelle nichts sagen kann. Um Spannung und Überraschung willen, würde ich empfehlen, ohne viele Vorabinformationen an die Lektüre zu gehen. Beim Leseexemplar ist die Inhaltsbeschreibung leider etwas zu ausführlich geraten.

Fazit:

SAG KEIN WORT ist eine absolute Überraschung! Ein unerwartet intensives, spannendes und beklemmendes Leseereignis, das zweifellos auf schriftstellerischem Können basiert. RAPHAEL MONTES ist ein Autor, den ich mir auf jeden Fall merken werde. Wow!


Signatur_SU

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Über FiktiveWelten

Bücherwurm – überrascht?!? Fotoknippser – schlimmer als jeder Tourist und ganz egal was ^^ Abenteurer – stets auf Entdeckungstour: "Mein Schaaaatz!!!" (Geocaching) Produkttester – weil’s Spaß macht, Wirbelwind – Chaos in Person FiktiveWelten – seit 2010 :o)
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15 Antworten zu REZENSION: Sag kein Wort ~ Raphael Montes

  1. Super spannend klingt das und wandert auf meine Liste😊

  2. Elizzy schreibt:

    Eine tolle Rezension, bin gespannt das Buch zu lesen!

  3. Janna | KeJas-BlogBuch schreibt:

    War klar das ich neugierig werde … 😀

  4. kitsune_miyagi schreibt:

    Ich liebe deine Rezensionen! Allerdings machen sie mich arm. 😄

  5. kaisuschreibt schreibt:

    Ich fand Teo auch sehr stark! Allerdings war ich mit dem Gesamtpaket von Clarice nicht rund genug und das Ende kam mir ein wenig wie eine „bequeme“ Flucht seitens des Autos vor – also das Ende Ende. Der letzte Satz ist gut! aber auch eine kleine Ausflucht.

    • FiktiveWelten schreibt:

      So kann man es natürlich auch sehen. Aber die Entwicklung an sich finde ich besser, als wenn so eine 0815-Abhandlung Aufwachen – Polizei – du verstehst hoffentlich worauf ich hinaus will – Lösung gekommen wäre. Außerdem ist dieses Ende im Allgemeinen echt gruselig, das mochte ich. Der Name am Ende, tja, etwas konstruiert aber irgendwie auch lustig. Ich hab nur den Kopf geschüttelt. ;o)

      • kaisuschreibt schreibt:

        Ja klar! Glaub ich war zu sehr verwöhnt von seinen ganzen Wendungen, dass ich ein großes Finale (mit einem Schuldigen) ersehnt habe und damit mit DER Lösung einfach nicht ganz zufrieden bin 😦 eben weil es einen touch zu viel „Zufall“ war. Aber im Großen und Ganzen war ich sehr positiv überrascht und möchte noch das andere Bücher von dem Autor auf deutsch erscheinen 😀 [edit meine Kritik geht morgen online]

      • FiktiveWelten schreibt:

        Oh ja, für weitere Titel von ihm, wäre ich auch zu haben! :o)
        Hatte vorhin schon vergeblich geguckt, bin auf deine Rezi gespannt!

  6. Pingback: BLOGAKTION: Follow Friday ~ Highlight Juli 2017 | FiktiveWelten

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